Exponat 001 – Museum HopfenBierGut, Spalt

Holzbierfass der Stadtbrauerei Spalt

Stadtbrauerei Spalt, Fassnummer 880, 1813

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Exponatbeschreibung 001: Holzbierfass


Die Stadtbrauerei Spalt ist die einzige kommunale Brauerei Deutschlands. Das heißt, alle 5000 Einwohner sind stolze Brauereibesitzer. Bis 1903 wurde das Bier der Stadtbrauerei Spalt ausschließlich in Holzfässern abgefüllt, gelagert und verkauft. Erst danach kamen Glasflaschen und Stahlbehälter bei der Bierabfüllung mit zum Einsatz. Das Holzfass besteht aus Längshölzern, den sogenannten Dauben, eisernen Reifen, einem Boden und einem Deckel. Im Deckel ist neben „Spalt“ auch die Füllmenge in Litern eingestanzt. Das Handwerk des Fassbinders bedarf sehr viel Geschick. Das Holz wird am natürlichen Faserverlauf entlang gespalten. Bevor es weiterverarbeitet werden kann, wird es über einen sehr langen Zeitraum gelagert und getrocknet. Um die bauchige Fassform zu bekommen, wird das Holz mit Dampf gebogen und mit Reifen zusammengespannt.




Holziges Umweltstatement


Spalt steht als Citta Slow Stadt für den Erhalt und die Förderung der bewussten und entschleunigten Lebensqualität. Der Citta Slow-Ansatz bedeutet einen innovativen Umgang kleiner Städte mit Themenstellungen der Nachhaltigkeit, wie soziale Verantwortung, baulich-kulturelle Gefüge, wirtschaftliche Entwicklung und einer umwelt- und energiebezogenen Balance. Das bedeutet eine nachhaltige Umweltpolitik, Schonung der natürlichen Ressourcen, regionalverträgliche Konzepte, behutsame und nachhaltige Stadtentwicklung, Wahrung von regionalen Besonderheiten, Erhalt typischer Natur- und Kulturlandschaften, Schutz der Vielfalt von Flora und Fauna, regionaltypische Produkte, Unterstützung natürlicher Produktionsabläufe, Kurze Wege, Förderung der Direktvermarktung, Schaffung regionaler Wirtschaftskreisläufe, Bewusstseinsbildung und die Förderung der regionalen Identität.




Über uns


Das interaktive Museum im historischen Kornhaus der Stadt Spalt lässt seit April 2015 die Welt des Hopfens und des Bieres lebendig werden. Ob am 3D-Kartentisch, im 270-Grad Hopfenkino, am interaktiven Tischlein-deck-dich, an der AromaRiechStation oder im begehbaren Braukessel, man taucht mitten ein in die Stadtgeschichte, den Hopfenanbau und die Faszination Bier. Das Kornhaus, erbaut 1456 - 57 als Zehentstadel des Fürstbischofs von Eichstätt, ist eines der bedeutendsten Fachwerkbauten Deutschlands. Es beindruckt mit einer Länge von 36 Metern, 13 Meter Breite und einer Gesamthöhe von 20 Metern. Ein gar mächtiger Wald sei für den Bau nötig gewesen. Seit 1862 ist das Gebäude im städtischen Besitz und war von 1897 - 1984 Lager- und Siegelhalle des weltberühmten Spalter Hopfens. 2017 Auszeichnung Bayerischer Museumspreis. Museum HopfenBierGut, 91174 Spalt, Gabrieliplatz 1, www.hopfenbiergut.de




Mehr Wissen …


Bevor die Herstellung und der Einsatz von Holzfässern für die Verpackung und Lagerung von Flüssigkeiten entdeckt wurde, dienten dazu bis weit in die Antike reichend Stein- und Tongefäße, Tierbälgenschläuche oder Gefäße aus Pflanzenfasern. Um 50 v.Chr. tauchen die ersten geschichtlichen Beschreibungen von Holzfässern auf. Die Römer eigneten sich die Konstruktion von den Kelten an. Holzfässer überzeugten durch ihre Stabilität, leichtes Gewicht und Transportfähigkeit. Sie bestanden aus Holzdauben, einem Boden, einem Deckel und Reifen zum Zusammenhalt. In der Antike wurden biegsame Holzarten, wie Weide, Birke oder Pappel, als Reifen verwendet. Rasant breiteten sich Holzfässer als Aufbewahrungsgefäße aus. Das Gebietswachstum des Römischen Reiches brachte das Holzfass in sämtliche Regionen Europas. Fässer gehörten zu den Alltagsgegenständen und waren in nahezu jedem Haushalt ein fester Bestandteil. Dabei stellt sich die Frage nach dem Ursprung des Handwerkes und dem Fassbindergewerbe. Bislang konnten allerdings keine eindeutigen Rückschlüsse auf den Erfinder und das Ursprungsvolk gezogen werden. Das Handwerk des Fassbinders benötigt viel Erfahrung, Geschick und Können. Bis zum fertigen Fass bedarf es einige Arbeitsschritte. Das Handwerk war regional unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt, z.B. Küfer, Fassbinder, Böttner oder auch Schäffler. Die Zusammenarbeit der Fassbinder und Bierbrauer war bis zur Industrialisierung eng verknüpft. Ein Dampfbiegeverfahren machte das Holz bearbeitbar. Alte technische Kenntnisse finden auch heutzutage noch ihre Berücksichtigung bei der Fertigung. Die Einführung von Glasflaschen im 19. Jahrhundert sowie die Entwicklung von Stahltanks im 20 Jahrhundert dämpften den Vormarsch der Holzfässer. Bis 1903 wurden in der Stadtbrauerei Spalt ausschließlich Holzfässer als Gebinde verwendet. Mit Einführung der Glasflaschen, führte die Stadtbrauerei genauestens Buch über die Anteile des gebrauten Bieres, das in Fässer und in Flaschen abgefüllt wurde. Der Einbruch in den 1940er Jahre, als fast kein Bier mehr in Flaschen abgefüllt wurde, ist wahrscheinlich kriegsbedingt: Im letzten Jahr des Zweiten Weltkrieges und in der unmittelbaren Nachkriegszeit war Material knapp und Flaschen für die Abfüllung kaum zu bekommen. Nach 1948 näherten sich die Anteile der Fass und der Flaschenabfüllung rasant an. Seit 1953 verkauft die Stadtbrauerei Spalt mehr Flaschenbier als Fassbier. In den Brauereien gab es einen eigenen Bereich zur Reinigung und Aufbereitung der Fässer, die sogenannte Fasswichs (wichs=reiben). Zur Abdichtung von Fässern trug man auf die Fassinnenseite unter anderem Pech oder Harz auf. Das musste regelmäßig erneuert werden. Da beim Auspichen sich das Volumen veränderte, wurden die Fässer neugeeicht und die Füllmenge im Deckel eingestempelt. In der historischen Fasswichs der Stadtbrauerei Spalt befindet sich als Zeitzeuge heute noch ein Kubizierapparat von 1912 an der Wand. Mit einem Messrad und Wasser wurde mit diesem Messgerät die Füllmenge ermittelt. Aktuell entdecken wieder einige Brauer die Holzfassreifung von Bier für sich. Eine Holzfasslagerung verändert das Bier maßgeblich. Einflussfaktoren auf den Geschmack bzw. der sensorischen Güte des Bieres sind die Holzart, die Herkunft/Terroir des Holzes, die Art, Frische und Intensität der Toastung (Ausbrennen der Innenflächen), Größe und Form, ob Neues oder gebrauchtes Fass, Art der Vorbenutzung, zum Beispiel Rum- oder Weinfass, auch Wechselwirkungen zwischen Bierinhaltsstoffe und Holzbestandteile. Quellen: Stadtbrauerei Spalt, Majhen (2012), Tamerl (2010), Zwiebler (2012)





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