Exponat 025 – Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen

Klotzfalle

Region Burglengenfeld, um 1900

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Exponatbeschreibung 025: Klotzfalle


Mäuse fressen Lebensmittel an und verunreinigen sie, so dass der Verzehr durch den Menschen nicht mehr möglich ist. In Zeiten, in denen Lebensmittel nur begrenzt verfügbar waren, war dies ein schwerwiegendes Problem. Man reagierte hierauf auf zwei Weisen. Man versuchte die Lebensmittel „mäusesicher“ zu lagern und bekämpfte die Nagetiere direkt. Hierzu nutzte man häufig Mausefallen. Hölzerne Klotzfallen wurden in ganz Europa genutzt. Die Maus wurde durch einen Köder unter den Holzblock gelockt. Dort löste sie einen Mechanismus aus: Der schwere Holzklotz glitt herab und erschlug das Tier. Die Fallen wurden üblicherweise in Heimarbeit, seltener durch Handwerker gefertigt. Sie wiesen untereinander hinsichtlich der Verarbeitungsmethoden und -qualität große Unterschiede auf. Auch die Anzahl der Holzklötze konnte variieren. Neben Einzelfallen gab es auch solche, mit denen mehrere Mäuse erlegt werden konnten.




Holziges Umweltstatement


Mäuse sind Kulturfolger. Sie begleiten die Menschen, seitdem diese sesshaft geworden sind. Dabei profitieren die Tiere von der menschlichen Land-, Vorrats- und Nahrungswirtschaft, denn deren Erzeugnisse und Abfälle sichern ihr Überleben.

Die Menschen sind in dieser Symbiose unfreiwillige Partner. Mäuse gelten ihnen als Schädlinge, die zu bekämpfen sind. Der Einsatz der Mausefallen als mechanischen Mittel erscheint dabei als das nachhaltigste Vorgehen, da auf den Chemieeinsatz mit seinen ungewissen Folgen für Mensch und Natur verzichtet wird.

Historische Mausefallen, wie die hier gezeigte, sind auch in anderer Hinsicht nachhaltig: Sie wurden beinahe vollständig aus dem nachwachsenden Rohstoff hergestellt. Bei modernen Fallen aus Metall oder Kunststoff ist dies nicht der Fall. Ihr Herstellungsprozess verschlingt deutlich mehr „graue Energie“.




Über uns


Das Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen bei Nabburg steht unter der Trägerschaft des Bezirks Oberpfalz. Auf dem Museumsgelände befinden sich rund 50 historische Gebäude, die aus der gesamten Oberpfalz hierher transloziert wurden. Sie sind in Dörfern gruppiert, die die typischen Baustile einzelner Oberpfälzer Landschaften und ihre soziale Vielfalt zeigen. Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal des Oberpfälzer Freilandmuseums ist die rekonstruierte, historische Kulturlandschaft. Diese umfasst unterschiedliche Flur- und Siedlungsformen, vielfältige Waldtypen und natürlich die für die Oberpfalz typischen Teiche. Aufgrund dieser Kulturlandschaft mit ihrer Biodiversität konnte die Umweltbildung fest im Vermittlungsangebot des Museums verankert werden. Daher wurde daas Oberpfälzer Freilandmuseum durch den Freistaat Bayern als staatliche Umweltstation anerkannt. Oberpfälzer Freilandmuseum, Neusath 2009, 2507 Nabburg, www.freilandmuseum.org




Mehr Wissen …


In der Nähe von Lebensmitteln konnten und können Mäuse nur schwer mit Giftstoffen bekämpft werden, weil von diesen auch immer Gefahren für Menschen ausgehen. Daher kamen in den Lagerräumen und Vorratskammern hauptsächlich mechanische Mäusefallen zum Einsatz. Neben Lebendfallen, die die Tiere lebendig dem Menschen auslieferten, gab es auch solche, die die Mäuse sofort ins Jenseits beförderten. Bei der Konstruktion dieser Tötungsfallen legten die Menschen einen großen Erfindungsreichtum an den Tag. Es gab Fallen, die den Tieren mit Drahtschlingen das Genick brachen, in anderen wurden die Nager erschossen, mit Stromschlägen getötet und in wieder anderen ertränkt oder dem Hungertod ausgesetzt. Viele dieser Fallen sind aus Tierschutzgründen nicht mehr zugelassen. Bei der hier gezeigten Klotzfalle handelt es sich hingegen um eine relativ simple Falle, die die natürliche Schwerkraft ausnutzt. Ein schwerer Holzklotz ist beweglich zwischen zwei Gleithölzern gelagert, die als Führungsschienen fungieren. Diese sind wiederum auf einem hölzernen Fallenkasten mit einer Fangkammer (Fang) montiert. Diese Fangkammer entspricht in ihren Ausmaßen dem Holzklotz. Die Falle wird scharf gestellt, indem der Holzklotz nach oben gezogen und über eine Schnur mit dem Auslösemechanismus in der Fangkammer verbunden wird. Die Maus löst beim Betreten der Fangkammer die Falle aus, der Holzklotz gleitet daraufhin entlang der Gleithölzer herunter und erschlägt mit seinem Gewicht das Tier. Klotzfallen wurde bereits in der Antike erwähnt. Erste bildliche Belege finden sich im frühen 15. Jahrhundert und noch im 19. Jahrhundert war dieser Fallentyp in vielen Haushalten in Gebrauch. Üblicherweise waren Klotzfallen Eigenkonstruktionen, jedoch lassen einige Exemplare auch eine handwerkliche Fertigung vermuten. Holz war das Hauptmaterial für den Bau der Klotzfallen, lediglich im 19. Jahrhundert wurden durch ein Unternehmen eine metallene Version produziert. Der Heilige Joseph bei der Fertigung von Mäusefallen. Markiert ist eine Klotzfalle. Detail der rechten Tafel des Merodé-Tryptichons, um 1430. (Bild: gemeinfrei, durch Metropolitan Art Museum)





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