Exponat 035 – Museum für Kommunikation Nürnberg

Bräutigamseiche   

Holzige Partnervermittlung dank Baum.
Finde Deine(n) Partner(in) im Astloch.

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Exponatbeschreibung 035: Bräutigamseiche


Bräutigamseiche

Modell, 2019

Wer an "Bräutigamseiche, Dodauer Forst, 23701 Eutin" schreibt, sucht eine(n) Partner(in). Die Deutsche Post AG stellt dem Baum Briefe und Karten zu, der Briefkasten ist ein Astloch. Jede(r) Interessierte darf die Briefe heraus nehmen, sie öffnen, lesen und beantworten. Daraus sind sogar schon einige Ehen hervorgegangen.

Die mehr als 500 Jahre alte Bräutigamseiche hat einen Stammumfang von 5 m, eine Höhe von 25 m und eine Krone mit einer Weite von 30 m. So kann hier nur ein "Stellvertreter" zum Besuch einladen: ein liebevoll gestaltetes Modell mit den einzigartigen Details dieses Baums: Der schützende Zaun, die Leiter und das Astloch. Dieses ist am Original in 3 m Höhe und macht das Geheimnis der Bräutigamseiche aus: Es wurde zunächst heimlich als toter Briefkasten genutzt, ab 1891 öffentlich. Seit 1927 wird es offiziell von der Post bedient, seit 1993 hat der Baum seine eigene Postleitzahl.

Bildnachweis:

Bild 1: TI Eutin - Archiv K. H. Martens, Bräutigamseiche Hochzeit

Bild 2: Museum für Kommunikation Nürnberg-MSPT




Holziges Umweltstatement


Holz in der Kommunikation

Holz dient in der Kommunikationsgeschichte als Material zur Fertigung von Medien vom Kerbholz über Kutschen und Schreibgeräte bis zu frühen Telefonapparaten sowie Radio- und Fernsehgeräten. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird es zur Papierherstellung genutzt. Die Bewahrung von Holz- und Papierobjekten ist daher bei den Restauratoren in den Sammlungsdepots der Museumsstiftung ein wichtiges Arbeitsfeld.

Der Versand von Briefen berührt ebenfalls die Themen Holz und Wald – er verlangt Logistik. Auf der Suche nach optimalen Transportketten ist die Post seit 1898 nicht mehr nur mit Pferden, sondern auch motorisiert unterwegs, damals schon mit elektrischem Antrieb. Der Klimawandel hat die E-Mobilität nun wieder in den Fokus gerückt: Der StreetScooter, den die Deutsche Post AG seit 2010 entwickelt, bildet aktuell zusammen mit rund 12.000 E-Bikes und E-Trikes die größte Elektroflotte in Deutschland.




Über uns


Das Museum für Kommunikation Nürnberg bildet mit seinen Schwestermuseen in Berlin und Frankfurt sowie drei Sammlungsstandorten die Museumsstiftung Post und Telekommunikation. Die öffentlich-rechtliche Stiftung getragen von der Deutschen Post und der Deutschen Telekom wurde im Zuge der Postreform 1995 gegründet. Ihre Wurzeln gehen zurück auf das 1872 gegründete Reichspostmuseum Berlin sowie das 1902 eingerichtete Nürnberger Museum.

Die Museumsstiftung sammelt, bewahrt, erschließt und vermittelt die Entwicklung der Nachrichtenübermittlung. Im Zentrum steht die Frage, was der Mensch aus den Medien und Möglichkeiten der Kommunikation macht. Das Museum für Kommunikation Nürnberg bietet so neben eindrucksvollen Objekten auch zahlreiche interaktive Stationen, die zur Kommunikation anstiften. Ein vielfältiges Programm an Veranstaltungen und Sonderausstellungen rundet das Angebot ab.

Museum für Kommunikation Nürnberg

Lessingstraße 6, 90443 Nürnberg

www.mfk-nuernberg.de




Mehr Wissen …


Die Bräutigamseiche steht in der Holsteinischen Schweiz etwa 1 km außerhalb von Eutin in Richtung Plön an der Bundesstraße B76. Gehen Briefe mit der Postleitzahl 23701 ein, stellt sie die Deutsche Post AG zu. Der mittlerweile pensionierte Karl-Heinz Martens war 18 Jahre als Postbote für die Bräutigamseiche zuständig. Er verrät in einem Interview mit der Wochenzeitschrift "Die Zeit"[1], dass der Baum pro Tag vier bis fünf Briefe erhält. Manchmal sind es auch mehr: Ist die kuriose Geschichte in der Presse und in den Medien, nimmt der Briefverkehr zu. Jeder darf die an die Bräutigamseiche adressierten Briefe herausnehmen, öffnen, lesen und beantworten. Im Vertrauen auf die Kraft des Baumes verzichten die Absender auf das Briefgeheimnis. Übrigens hat auch Postbote Martens seine Ehefrau mit Hilfe der Bräutigamseiche gefunden. Sie hatte, nachdem sie einen Fernsehbericht über den Baum gesehen hatte, einen Brief "An den Postboten der Bräutigamseiche, Dodauer Forst, 23701 Eutin" geschrieben.

Die geheimnisvollen Kräfte des mächtigen Baumes gehen zurück auf eine Geschichte, die sich um 1890 zutrug. Die Dodauer Försterstochter Minna Ohrt und der Leipziger Schokoladenfabrikanten-Sohn Wilhelm Schütter-Felsche verliebten sich. Der Förster war wenig angetan von der Verbindung und verbot seiner Tochter den Umgang mit dem Fabrikantensohn. Das Liebespaar blieb aber über Briefe in Kontakt, sie deponierten sie heimlich in dem Astloch der Eiche in 3 m Höhe und nutzten es so als toten Briefkasten. 1891 schließlich gab der Förster seinen Widerstand auf, das Paar konnte heiraten: Ein Bild der Hochzeitgesellschaft unter der Bräutigamseiche zeugt davon. Diese Geschichte verbreitete sich deutschlandweit durch den aufkommenden Fremdenverkehr von Sommerfrischlern und Kurgästen, die die Holsteinische Schweiz und den Luftkurort Eutin schon damals zu schätzen wussten. 1927 nahm die Deutsche Reichspost die Bräutigamseiche in ihre Zustellroute auf und eine Leiter erleichtert seither den Zugang zum Astloch. Als 1993 die Postleitzahlen in Deutschland fünfstellig wurden, erhielt die Bräutigamseiche ihre eigene Postleitzahl und ist damit ebenso einzigartig[2] wie der Baum-Zustellservice der Deutschen Post AG. Briefe verbinden Menschen und hier lassen sie sogar Herzen höher schlagen. So erschließt die Touristinformation Eutin heute Gästen die stattliche Bräutigamseiche als Sehenswürdigkeit: Sie hat alle Geschichten rund um den Baum in einem Flyer zusammengefasst, der online zum Download bereit steht [3].

Briefe sind ein großes Thema der Sammlung der Museumsstiftung Post und Telekommunikation, zu der das Museum für Kommunikation Nürnberg gehört. Dazu zählen neben Feldpostbriefen und Post von drüben, die mittlerweile online zugänglich sind,[4] auch etwa 1.000 Liebesbriefe.[5] Eine eigene Wechselausstellung "Liebe.komm - Botschaften des Herzens" widmete sich 2003 dem romantischen Thema. Angefangen bei den Pfeilen von Liebesgott Amor über die chemischen Grundlagen der Pheromone weiter über die in Deutschland 1738 beginnende Geschichte der Kontaktanzeigen und Ratgebern zum Verfassen von Liebesbriefen bis zu Liebesbriefen von Johann Wolfgang von Goethe und Franz Kafka. Dazu kamen aktuelle Liebeskorrespondenz via Kühlschrankzettel und Restekisten gescheiterter Beziehungen. Hier wurde auch zum ersten Mal die Geschichte der Bräutigamseiche im Museum erzählt. Würde die Ausstellung heute geplant, gäbe es wohl auch Exponate zu Parship oder Tinder, den Onlinevarianten der Beziehungsanbahnung. Aber können es diese Angebote mit der Partnersuche per Baum aufnehmen?

[1] https://www.zeit.de/2006/35/Interview-Braeutigam

[2] https://www.dpdhl.com/de/presse/pressemitteilungen/2018/25-jahre-fuenfstellige-postleitzahlen-in-deutschland.html

[3] https://www.holsteinischeschweiz.de/braeutigamseiche

[4] https://www.mfk-nuernberg.de/briefsammlungen/

[5] http://sammlungen.museumsstiftung.de/liebesbriefe





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