Exponat 042 – Bauernhausmuseum Amerang

Rührbutterfass  

Burghausen, 1. Hälfte 20. Jahrhundert

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Exponatbeschreibung 042: Rührbutterfass


Butterfässer waren weit verbreitete Alltagsgegenstände, in die der abgeschöpfte Rahm gegeben und anschließend zu Butter gestampft, geschlagen oder gerührt wurde. Es wird zwischen den älteren Stoß- und den jüngeren Rührbutterfässern unterschieden.


Das Rührbutterfass mit Handkurbel war leichter zu bedienen als das jahrhundertelang genutzte Stoßbutterfass. In etwa um die Jahrhundertwende lösten die Rührbutterfässer die Stoßbutterfässer ab und waren bis ca. 1930, zum Teil aber auch noch bis in die 1950er Jahre in Gebrauch.


Das liegende Rührbutterfass ist in zylindrischer Form aus Nadel- und Laubholz mit zwei dreiviertelumlaufenden Eisenbändern gearbeitet. Die Oberseite, auf der sich ein Deckel befindet, ist abgeflacht und mit einem runden Knauf zum Öffnen des Deckels versehen. Die S-förmige Kurbel besteht aus Eisen mit einem gedrechselten Holzgriff.




Holziges Umweltstatement


Seit Jahrtausenden nutzt der Mensch Holz als nachwachsenden Rohstoff und erneuerbaren Energieträger in vielfältiger Weise. Auch im Bauernhausmuseum Amerang des Bezirks Oberbayern ist Holz als vorrangiges Baumaterial der historischen Häuser und deren Ausstattung allgegenwärtig. Holz als Rohstoff hat einen wichtigen Stellenwert im Leben der ehemaligen Hausbewohner eingenommen. Damals wie heute leistet Holz als umweltfreundlicher Werkstoff einen bedeutsamen Beitrag zum Klimaschutz.
Der Bezirk Oberbayern übernimmt mit dem umweltgerechten Wirtschaften in allen seinen Einrichtungen bewusst Verantwortung für die Umwelt und damit für die Zukunft der nachfolgenden Generationen. Er sieht sich in einer besonderen Verantwortung für die Umwelt und stellt sich der Verpflichtung, mit den vorhandenen Ressourcen so schonend wie möglich umzugehen.




Über uns


Das Bauernhausmuseum Amerang des Bezirks Oberbayern bietet Einblicke in den ländlichen Alltag des Chiemgau und des Rupertiwinkels.


In einem leicht zugänglichen Gelände werden original eingerichtete Bauernhäuser mit Nebengebäuden präsentiert. Dazu zählen u.a. der einzige Vierseithof in einem oberbayerischen Freilichtmuseum, kunstvoll verzierte Bundwerkstadel, historische Arbeitsstätten und technische Anlagen. Diese wechseln sich mit Streuobstwiesen und Bauerngärten ab und sollen bespielhaft und lebendig Geschichte vermitteln.

Handwerksvorführungen, Aktiontage und museumspädagogische Programme machen den Ausflug in die Vergangenheit zu einem Erlebnis.

Bauernhausmuseum Amerang, Hopfgarten 2, 83123 Amerang, www.bhm-amerang.de




Mehr Wissen …


Alles in Butter – Das Drehbutterfass

Buttern, das war bis in das erste Drittel des letzten Jahrhunderts ein mühseliges, aber lohnendes Tagwerk. Da Butter von alters her ein bekanntes Produkt ist, sind überall dort, wo Milchkühe gehalten wurden, die entsprechenden Geräte für die Milchverarbeitung hergestellt worden. Dazu gehören z.B. das Stoß- und das Rührbutterfass, ebenso wie Rahmkellen, Weidlinge oder Buttermodelle, die zum Verzieren der fertigen Butter dienten. Früher war das Stoßbutterfass das am weitesten verbreitete Gerät zum Buttern. In einem stehenden, länglichen und zylindrischen Fass, mit einem Deckel und einem auf- und abgehendem Stößer wurde der Rahm zu Butter verarbeitet.
Die handwerklich gefertigten Geräte zur Butterherstellung basieren alle auf dem gleichen technischen Zusammenhang. Das Grundprinzip ist, die in der Milch vorhandenen Fetttröpfchen zu einer größeren Einheit zusammenzubringen. Im Rahm sind die Fetttröpfchen oder Butterkügelchen noch voneinander getrennt. Durch dauernde Erschütterung und Verquirlung wird der Rahm zu Schaum geschlagen, wobei sich die kugelförmigen Fetttröpfchen zusammenklumpen und Butterkörner bilden.

Die Vorbereitungen

Bis die fertige Butter verzehrt werden konnte, dauerte es allerdings einige Zeit.
Als Ausgangsprodukt benötigte man Rohmilch, genauer gesagt den Rahm.
Da der fetthaltige Anteil der Milch, also der Rahm, am leichtesten ist, setzt er sich im ruhenden Zustand an der Oberfläche der Rohmilch ab. Damit das Aufrahmen schnell und effektiv vonstattengehen konnte, mussten die schalenartigen Weidlinge, in die die frische Milch gefüllt wurde, eine niedrige Höhe und eine stark konische Wandung haben. Somit wurde eine Anhaftung des aufsteigenden Fetts am Rand verhindert. Anschließend konnte der Rahm vorsichtig mit einer Rahmkelle zur Weiterverarbeitung abgeschöpft werden.

Die Verarbeitung im Rührbutterfass

Der abgeschöpfte Rahm wurde in das Rührbutterfass gefüllt und durch gleichmäßiges Kurbeln zu Butter verarbeitet. Das Kurbeln war kräftezehrend und dauerte einige Zeit. Meist übernahmen die Bauersfrauen oder die Mägde diese Aufgabe. Besonders wichtig war, dass ohne Pause und in einem gleichmäßigen Rhythmus gedreht wurde. Hatten sich die Butterkörner von der Buttermilch getrennt, musste die Butter in eiskaltem Wasser gewaschen werden. Das war ein wichtiger Arbeitsschritt, denn die noch herausquellende Buttermilch musste restlos entfernt werden, damit die Butter nicht ranzig wurde.
Insgesamt benötigte man ca. 20 Liter Milch, um ein Kilo Butter herstellen zu können. War die Butter gewaschen, wurde sie geknetet, in Form gebracht und mit einem Butterstempel verziert. Um die Butter zu konservieren, wurde Salz eingearbeitet oder weiter zu Butterschmalz verarbeitet.

Die Nutzung von manuellen Rührbutterfässern war im Gegensatz zum Stoßbutterfass auf den Höfen nur von kurzer Dauer, obwohl das liegende Butterfass mit Handkurbel leichter zu bedienen war. Der Grund dafür lag in der Verbreitung vieler Molkereien zwischen 1890 und 1910. Die Verarbeitung der Milch fand also nicht mehr ausschließlich auf den Höfen, sondern in den zumeist genossenschaftlich ausgerichteten Betrieben statt. Hier übernahmen größere Geräte und schließlich Maschinen die Arbeitsschritte des Rahmens und Butterns.





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