Exponat 049 – Römer und Bajuwaren Museum, Kipfenberg

Kipfstock 

Kipfenberg, um 1900

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Exponatbeschreibung 049: Kipfstock


Wir zeigen einen Kipfstock. Er gehört zu einem Wagenkipf, wie er sich in stilisierter Form im heutigen Wappen unserer Marktgemeinde Kipfenberg findet. Dieses Wappen hat eine lange Geschichte. Es erscheint erstmals im Siegel des Adeligen Konrad Kropf dem Jüngeren. Dieser hat ca. 1277 seinen Sitz von Flüglingen nach Kipfenberg verlegtund sich bald darauf ein eigenes Siegel angeschafft. Im Jahr 1285 findet es sich erstmals auf Urkunden. Es stellt den Reichsadler dar, dessen Brust ein Wappenschild mit einem Wagenkipf ziert. Seit dem 14. Jahrhundert erscheint der Wagenkipf im Marktsiegel.




Holziges Umweltstatement


Unser Museum zeigt in der Dauerausstellung viele Alltagsgegenstände aus der Zeit der römischen Besatzung, der Völkerwanderung und des Frühmittelalters. Der Limes, der in unmittelbarer Nähe unseres Museums verlief, war kein Bollwerk gegen die Germanen, sondern Grenze für aktiven Handel. Zwischen den Bevölkerungsgruppen im Grenzgebiet wurde Ware gehandelt, die über die Infrastruktur der Römer den Weg hinaus in die große weite Welt der Antike fand. Der Wagenkipf in der Ausstellung ist zwar kein Relikt aus der Römerzeit, stellt aber den Bezug zur langen Geschichte des Handels her. Waren, die damals wie heute gehandelt wurden, nahmen meist einen langen Weg. Verschiedene Ressourcen, wie Rohstoffe, Arbeitskraft oder Logistik, wurden benötigt, um diese herzustellen und zu transportieren. Bis März 2020 haben wir unseren Sonderausstellungsraum in ein kleines bajuwarisches Dorf verwandelt. Es lädt zu einer Reise in die Welt des Frühmittelalters ein. Dabei möchte es auch ein Gefühl für den Wert der Dinge vermitteln. Die Alltagsszenen zeigen, dass sich die damaligen Menschen unsere heutige Wegwerfmentalität schlichtweg nicht leisten konnten. So wird deutlich, wie mühselig die Herstellung von Kleidung war. Es dauerte Monate, bis der Stoff für einen Mantel oder eine Hose endlich gewebt war. Und so wird verständlich, dass die Menschen ihre Kleider trugen und flickten, bis sie ihnen buchstäblich vom Leibe fielen. Nutztiere – ein anderes wertvolles Gut der Dorfbewohner – wurden damals mit Haut und Haar verwertet, und Fleischgenuss war für die Menschen ein außergewöhnliches, rares Ereignis. Kein Zweifel, unsere frühmittelalterlichen Vorfahren waren, mehr oder weniger freiwillig, Meister im Umgang mit ihren Ressourcen. Vielleicht können wir bei unserem eigenen Bemühen um Nachhaltigkeit von unseren Ahnen sogar ein wenig lernen?




Über uns


Kipfenberg, am geografischen Mittelpunkt und im Herzen des Naturpark Altmühltals gelegen, war es ein großes Anliegen an „Holz macht Sachen! Holz, Baum, Wald und Du“ als Kooperationspartner mitzuwirken. Unser Gemeindegebiet bietet auf kalkreichen Juraböden Lebensräume für Buchen und Fichten. Ursprüngliche Baumarten wie Eibe, Elsbeere und Mehlbeere kehren zurück. Andere Flächen werden vom Bewuchs freigehalten. Dort entfalten sich Apollofalter, Laufkäfer und Heuschrecken. In den Dolomitfelsen brüten Uhu und Wanderfalke und auf der „Arnsbergerleite“ wurde durch eine Beweidung mit Schafen ein Vorzeige-Naturschutzprojekt geschaffen.




Mehr Wissen ...


Der Wagenkipf ist ein Bestandteil des vierrädrigen hölzernen Wagens. Er besteht aus Kipfstock und Kipfen. Der hier ausgestellte Kipfstock ist ein massiver, vierkantiger Balken, der Stock, welcher horizontal beweglich auf der Radachse sitzt. Befestigt wurde er mit einem großen runden Eisennagel, der sich an unserem Exponat ebenfalls erhalten hat. An den beiden Enden des Kipfstocks war in einem rechteckigen Loch jeweils ein Kipfen eingezapft. Diese Kipfen (auch Kipf bzw. Runge genannt) stabilisierten als eine Art Widerlager die seitliche Verbretterung des Laderaums. Von der Wagenachse aus gesehen, ist der Kipf hornartig ausgeformt. In der ursprünglichen Wortbedeutung "Kipfenberg" wird der Begriff „Kipf“ wohl die Form des natürlichen Burgfelsens bezeichnen, der wie ein Wagenkipf ausgebildet war.





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