Exponat 018 – Ecomuseo Argentario, Trentino in Kooperation mit dem Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der LMU München und dem Planungsbüro für Montanarchäologie Dr. Martin Straßburger

Holz im Bergbau

Balken aus Schachtausbau des 16. Jahrhunderts aus dem Granitsteinbruch am Blauberg bei Niederrunding (Lkr. Cham, Reg.-Bez. Oberpfalz) 

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Holz im Bergbau – im Lauf der Jahrhunderte verschwanden ganze Wälder unter Tage ...

Holz war seit vorgeschichtlicher Zeit im Montanwesen ein wesentlicher Rohstoff, der vielfältig genutzt wurde: in Bergwerken für den Ausbau der Grubenbaue, im Abbau zum Feuersetzen, als Bauholz für Infrastuktureinrichtungen über und unter Tage sowie zur Herstellung von Werkzeugen (Gezähe). Im Hüttenwesen diente es als Energieträger (Holzkohle) für metallurgische Prozesse.

Sobald im Gebirge ein Hohlraum angelegt wird, beginnt das Gestein, in diesen hineinzudrücken. Um einen Grubenbau längerfristig offenhalten und die Sicherheit der unter Tage arbeitenden Bergleute gewährleisten zu können, muss er daher ausgebaut werden. Bis in das 19. Jahrhundert wurde für diesen Zweck überwiegend Holz verwendet.

Exemplarisch wird hier ein Schachtausbau des 16. Jahrhunderts aus dem Granitsteinbruch am Blauberg bei Niederrunding ca. 7 km östlich von Cham (Lkr. Cham, Reg.-Bez. Oberpfalz) vorgestellt.

Der Schacht wurde in einer Störungszone mit einem Quarzgang und vor allem aus weichem, zersetztem Granit abgeteuft.

Da das Gebirge nicht standfest war, mussten die Stöße (Wände) gegen ein Hereinbrechen gesichert werden. Dies erfolgte mit einem Geviertausbau aus Tannen- und Fichtenhölzen. Dafür wurden Baumstämme gesägt, gespalten und so zugerichtet, dass aus ihnen ein rechteckiger Rahmen zusammengesetzt werden konnte. Späne in der Schachtverfüllung weisen darauf hin, dass die Hölzer über Tage grob zugerichtet und dann vor Ort eingepasst wurden.

Die Verbindung musste sowohl Seitendruck als auch nach unten oder oben gerichtete Schubkräfte aufnehmen können. Dies ermöglichen Verblattungen.

Es wurde Geviert unter Geviert gelegt, d.h. eine widerstandsfähige so genannte Vollschrotzimmerung mit engem Kontakt zum Fels eingebracht. Der Schachtausbau war damit gebirgsverbunden. Um dies durchgängig zu gewährleisten, wurden Hohlräume hinter dem Ausbau mit Abfallhölzern aufgefüllt.

Die Messungen im Dendrolabor des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in Thierhaupten zeigten, dass sowohl die Fichten als auch die Tannen im Jahr 1529 geschlagen wurden. Die Tannenstämme dürften kurz vor der winterlichen Ruhephase gefällt worden sein, denn ihre Spätholzbildung war noch nicht ganz abgeschlossen. Die Fichtenstämme scheinen hingegen im Winterhalbjahr geschlagen worden zu sein, da bei ihnen das Spätholz bereits ausgebildet war. Somit ist ein Beginn der Arbeiten frühesten ab dem Frühjahr 1530 möglich.




Holziges Umweltstatement


Archäologische Forschung liefert Daten zur Entwicklung von Klima und Umwelt sowie deren Einfluss auf den Menschen über lange Zeiträume. Umgekehrt werden auch die Einflüsse des Menschen auf Umwelt und Ökosysteme deutlich. Damit leisten die archäologische Forschung an der LMU und des Ecomuseo Argentario sowie die facharchäologischen Leistungen des Planungsbüros für Montanarchäologie gerade im Hinblick auf die aktuellen Diskussionen zu diesen Themenkomplexen wichtige Beiträge.

Speziell die Montanarchäologie zeigt den Umgang des Menschen mit mineralischen Ressourcen in den verschiedenen Epochen. Die Gewinnung und Weiterverarbeitung von Rohstoffen bilden dabei zwei wesentliche Forschungsfelder. Daneben werden aber auch Einflüsse- bzw. Veränderungen der Umwelt thematisiert, die teilweise bis heute andauern.

Ein Beispiel ist die Schwermetallbelastung von Fließgewässern und Böden durch das mittelalterliche Montanwesen. Damit werden wichtige Daten zu Altlasten beigesteuert und ein Beitrag zu deren Erforschung sowie Bewertung geleistet. Zudem können sich auch Hinweise für den Umgang mit Altlasten ergeben. Weniger bekannt ist, dass das Montanwesen mit Grubenbauen und Abraumhalden auch Lebensräume für bedrohte Pflanzen- und Tierarten geschaffen hat, die unter Naturschutz stehen.

Neben der universitären Forschung und facharchäologischen Leistungen ist die Vermittlung der Ergebnisse in der breiten Öffentlichkeit von großer Bedeutung. Dazu trägt das Ecomuseo Argentario mit seinen Zielen und vielfältigen Tätigkeiten bei.




Über uns


Ecomuseo Argentario

Das Ecomuseo ist eine Institution, die die Erhaltung sowie die Erforschung des Geschichts-, Kultur- und Naturerbes eines Territoriums bzw. einer Landschaft zum Ziel hat.

Dabei werden die lokalen Gemeinden und Besucher in den Entdeckungsprozess einbezogen, um eine nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen. Der Zuständigkeitsbereich des Ecomuseo Argentario umfasst das gesamte Plateau des Monte Calisio nördlich von Trient. In diesem Gebiet wurde im Hochmittelalter intensiver Bergbau auf Blei-Silbererze betrieben. Historisch fand dies seinen Niederschlag in der ältesten schriftlich dokumentierten Berggesetzgebung des Mittelalters. Seit 2013 werden die archäologischen Spuren dieses sehr umfangreichen Bergbaus vom Ecomuseo Argentario in Kooperation mit dem Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der LMU und dem Planungsbüro für Montanarchäologie eingehender erforscht.

Ecomuseo Argentario

Biblioteca Comunale "G. B. Borsieri" - Civezzano
Via C. Battisti, 1
38045 Civezzano (TN)

Tel.: +39 (0) 461/858400
info@ecoargentario.it
www.ecoargentario.it

LMU München, Fakultät für Kulturwissenschaften, Department für Kulturwissenschaften und Altertumskunde, Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie

Die Vor- und Frühgeschichte ist eine historisch-kulturwissenschaftliche Disziplin, die sich mit archäologischen Quellen Europas vom ersten Auftreten des Menschen als geschichtlichem Wesen in der Altsteinzeit bis zu ausreichender schriftlicher Überlieferung im Früh- und Hochmittelalter befasst. Zunehmend finden jedoch als Teilbereiche des Fachs die Archäologie des Mittelalters und der Frühen Neuzeit Berücksichtigung.

Ziel vor- und frühgeschichtlicher Forschung ist die Rekonstruktion vergangener Lebensverhältnisse des Menschen anhand der durch archäologische Methoden gewonnenen Daten. Dadurch ergibt sich eine enge Kooperation zu naturwissenschaftlichen Fächern wie der Anthropologie, Bodenkunde, Geologie, Geographie, Paläozoologie, Paläobotanik und Vegetationsgeschichte. Seit 2009 führt das Institut für Vor- und Frühgeschichte ferner Projekte und Lehrveranstaltungen zur Montanarchäologie durch.

Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie
und Provinzialrömische Archäologie
der Ludwig-Maximilians-Universität
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München

www.vfp-archaeologie.uni-muenchen.de

Planungsbüro für Montanarchäologie

Das Planungsbüro für Montanarchäologie (Inhaber Dr. Martin Straßburger) ist seit 2015 im Bereich der Dokumentation und Bewertung von Befunden und Funden des Altbergbaus und der Metallurgie tätig. Ferner werden auch verwandte Befunde, wie Erdställe und Felsenkeller, bearbeitet.

Unter dem Oberbegriff Montanarchäologie wird die archäologische und archäometrische Erforschung von Zeugnissen des Berg- und Hüttenwesens zusammengefasst. Sie beschäftigt sich mit der Erfassung, Erforschung, Interpretation und Erhaltung aller mit den Gewinnungs- und Verarbeitungsprozessen von Rohstoffen verbundenen archäologischen und archäometallurgischen Quellen.


Planungsbüro für Montanarchäologie
Dr. Martin Straßburger

Fichtenweg 16

86568 Hollenbach

Tel.: 08257/3020403

mobil: 015773265797

martin@miningarchaeology.com




Exponatbeschreibung 018: Holz im Bergbau


Holz im Bergbau

Wird im Gebirge ein Hohlraum angelegt, beginnt das Gestein, in diesen hineinzudrücken. Um einen Grubenbau längerfristig offenhalten und die Sicherheit der Bergleute gewährleisten zu können, muss er ausgebaut werden. Bis in das 19. Jahrhundert wurde dafür überwiegend Holz verwendet.

Exemplarisch wird ein Schachtausbau des 16. Jahrhunderts bei Niederrunding (Lkr. Cham, Reg.-Bez. Oberpfalz) vorgestellt. Der Schacht wurde in einer Störungszone mit einem Quarzgang und zersetztem Granit abgeteuft. Die Sicherung des Gebirges gegen ein Hereinbrechen erfolgte mit einem Geviertausbau aus Tannen- und Fichtenhölzern.

Messungen im Dendrolabor des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in Thierhaupten zeigten, dass die Fichten und Tannen im Jahr 1529 gefällt wurden. Da die Fichtenstämme im Winterhalbjahr geschlagen wurden, ist ein Beginn der Arbeiten frühesten ab dem Frühjahr 1530 möglich.





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