Exponat 028 – Archiv Geiger, München

Ohne Titel

Rupprecht Geiger, 1995, Sechsfarbige Serigrafie
auf Bütten Rives 300 g mit Büttenrand, 85 x 75 cm, (WVG 194 – 1)

Klicke für Infos:

Exponatbeschreibung 028: Ohne Titel


Rupprecht Geiger (1908-2009) hat seine Werke bereits nach dem Krieg bewusst ohne Titel belassen, damit der Geist frei interpretieren und die Farbe allein ihre Wirkung entfalten kann, getreu dem Motto 'Die Farbe soll alleiniges Motiv meiner Kunst sein'. Er ließ sich oft von der Sonne und ihren Lichtspielen inspirieren, Sonnenuntergänge waren stets Minuten der Ruhe und der Besinnung. Auch bei diesem Werk überkommt einen die Assoziation der auf- oder untergehenden Sonne, die der Ursprung allen Lebens ist. Die Betrachtung lädt zum Verweilen und Sinnieren ein.




Holziges Umweltstatement


Licht und Wasser sind der Ursprung aller Lebewesen, aller Natur. Die Natur als Lebensgrundlage allen menschlichen und tierischen Lebens ist daher absolut schützenswert. Sie ist eine Kraftquelle unermesslichen Maßes für Körper und Geist. Auch Rupprecht Geiger hat die Natur wie die Farbe als immerwährende und lebensnotwendige Kraftquelle gesehen. In einem Skizzenbuch von 1975 erhebt er die Farbe zum Element: „Farbe hat wie Licht den Anspruch, in die Reihe der Elemente eingestuft zu werden – Feuer, Wasser, Luft, Farbe, Licht und Erde.“ In Geigers Werk nimmt die Farbe Rot in allen ihren Schattierungen eine besondere Stellung ein, er bezeichnet diese 1985 als „die Farbe mit der größten Potenz und Ausstrahlung“.




Über uns


Das ehemalige Künstleratelier von Rupprecht Geiger in München-Solln eröffnete zum ersten Todestag des Malers im Dezember 2010 als 'Archiv Geiger' seine Türen. Wechselnde Präsentationen verdeutlichen schwerpunktartig wichtige und immer andere Aspekte seines künstlerischen Schaffens. Das Archiv Geiger arbeitet kontinuierlich den Nachlass von Rupprecht Geiger auf und macht diesen anhand von verschiedensten Aktivitäten der Öffentlichkeit zugänglich. Es werden Führungen, Workshops, Kinderaktionen, Radtouren zu den Werken im öffentlichen Raum und einiges mehr angeboten. Mehrmals im Jahr hat das Archiv ganztägig geöffnet, beispielsweise zum Tag der Archive oder zum Tag des offenen Denkmals. Des Weiteren organisiert es Ausstellungsteilnahmen und umfangreiche Einzelpräsentationen im In- und Ausland wie z.B. die zahlreichen Präsentationen zum 110. Geburtstag. Das Archiv ist für alle Fragen rund um Rupprecht Geiger und dessen Werk wichtigster Ansprechpartner. ARCHIV GEIGER, Muttenthalerstr. 26, 81477 München, www.archiv-geiger.de




Mehr Wissen …


Um die Wirkung und Energie der Farbe und die Kraft des Sonnenlichts möglichst intensiv wiederzugeben, verwendete Rupprecht Geiger als einer der ersten deutschen Nachkriegskünstler ab Mitte der 50er Jahre immer ausschließlicher sog. Tagesleuchtpigmente. Diese chemisch hergestellten Tagesleuchtfarben sind abhängig vom Tageslicht, nur mit Hilfe des natürlichen Lichts können sie ihre besondere Leuchtkraft entwickeln – so leuchten sie je nach Art des Lichts anders und unterschiedlich intensiv. Durch die Technik des Sprühens und die Verwendung von Acrylbindemittel ab Mitte der 60er Jahren erhalten die Werke einen flimmernden Ausdruck, der die Assoziation mit der Sonne und ihrem Licht noch lebendiger erscheinen lässt. Der Siebdruck, eine Technik, die Rupprecht Geiger sein ganzes Schaffen hindurch begleitet und die zur Verbreitung seiner künstlerischen Ideen entscheidend beiträgt, ermöglicht ihm von Anfang an die Schaffung von Farbverläufen – Rupprecht Geiger nennt sie 'Farbmodulationen'. Diese wiederum betrachtet er als das geeignete Mittel, um den Prozess so gut wie möglich zu verdeutlichen, so nah wie möglich an sein Ziel, nämlich die Erschaffung eines 'Portraits der Farbe', zu kommen. Nur die Farbmodulation schafft sanfte Farbverläufe und enthält – im Idealfall – unendlich viele Farbnuancen, unendlich viele Farbwerte, sodass der Betrachter aufgerufen ist, herauszufinden, welches für ihn der einzig wahre Farbton ist. Rupprecht Geiger wird im Laufe seines langen Schaffens in seiner Kunst monumentaler und großflächiger. Dies hat den Sinn, allein die Farbe auf sich einwirken lassen zu können, alle anderen störenden visuellen Faktoren auszuschalten, sodass der Betrachter sich ungestört in die Farbe versenken kann. Immer noch auf dem Weg zum 'Portrait der Farbe' ist die nächstliegende Idee der Schritt zum Farbraum. Er fertigt zeitlebens zahlreiche Skizzen hierzu und es entstehen einige Modelle zu begehbaren farbigen Räumen wie z.B. 'Unisono Rot' oder 'die rote Trombe'. Hier taucht der Betrachter mit Betreten des Raumes automatisch in die Farbwelt ein, mehr noch: er wird Teil derselben und kann gänzlich in der Farbe aufgehen.





Wie gefallen Dir Exponat und Vermittlung? Hast Du Fragen oder Anregungen?