Exponat 036 – Hofheinz-Döring-Haus mit dem Freundeskreis Margret Hofheinz-Döring e.V., Göppingen

"Ein Waldmärchen"   

Margret Hofheinz-Döring (1910–1994), 1965, Öl auf Holz

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Exponatbeschreibung 036: "Ein Waldmärchen"


In der Hälfte der 200 (Volks-)Märchen der Gebrüder Grimm sowie in vielen Kunstmärchen, v.a. der Romantik (z.B. Hauff, E.T.A. Hoffmann) haben Baum und Wald eine große, vielfältig symbolische Bedeutung. Im hier dargestellten Grimm'schen „Schneeweißchen und Rosenroth“ wird die Harmonie zwischen Mensch und Natur/Wald sowie den dortigen Tieren veranschaulicht, ein zentrales Thema der Künstlerin: Beide Schwestern leben in inniger Verbundenheit mit der Natur: „Oft liefen sie im Walde allein umher …, aber kein Tier tat ihnen etwas zuleid, sondern sie kamen vertraulich herbei: das Häschen fraß aus ihren Händen, … der Hirsch sprang lustig vorbei, und die Vögel ... sangen.“ Im Weiteren spiegelt der böse, später getötete Zwerg den die Natur zerstörenden Menschen, der Bär, der naturverbundene Mensch, wird wie die Schwestern belohnt. Das Bild wurde, was selten im 20. Jhd. ist, statt auf Leinwand auf Holz gemalt.




Holziges Umweltstatement


Die Malerin macht in ihrem Schaffen die Harmonie/Einheit des Menschen bzw. der Zivilisation mit der Natur, den Bäumen, dem Wald, den dort zu findenden Pflanzen und Tieren zu einem zentralen Thema. In „Harmonie der Geschöpfe“ (1971) z.B. werden Pflanzen- und Tierreich vom Menschen beschützt. „Franziskus“ (1981) verweist auf das Leben des Hl. Franz von Assisi im Einklang mit der Natur (vgl. dessen „Sonnengesang“), für Umweltschützer bis heute der Idealtyp einer beispielhaften Beziehung zwischen Mensch und Natur. Im ausgestellten „Ein Waldmärchen“ veranschaulicht das Grimm'sche „Schneeweißchen und Rosenrot“ die vergangene Harmonie zwischen Mensch und Natur/Wald, den anschließenden gegenwärtigen Kampf des Menschen gegen die Natur und am Ende die Verheißung eines neuen „Paradieses“. In vielen Märchen findet sich generell noch eine positive Einstellung des Menschen zur, noch beseelt gedachten Natur.




Über uns


Das Hofheinz-Döring-Haus, u.a. früheres Atelier der Malerin Margret Hofheinz-Döring (1910 Mainz - 1994 Bad Boll), bewahrt und zeigt unter der Leitung ihrer Tochter Brigitte Mauch ihren Nachlass (deutschlandweit über 100 Ausstellungen). In 70 Arbeitsjahren schuf die Künstlerin 9.000 Werke in verschiedenen Techniken: Ölmalerei, Aquarell, Zeichnung, Druckgraphik, Pastell, Hinterglasmalerei, Mischtechniken, experimentelle Strukturmalerei und Plastiken. Inspiriert von der klassischen Moderne (u.a. Nolde, Klee, Kandinsky, Picasso und Chagall) fand sie ihren eigenen Weg zu einem symbolischen Expressionismus. Hofheinz-Döring malte Menschen, Landschaften, Tiere, Blumen, Stillleben, Bilder zur Weltliteratur (Bibel, "Parzival", Goethes "Faust", Hölderlin, Nietzsche, Hesse; Märchen) bis hin zur Abstraktion. Das Museum stellt auch Werke für Ausstellungen und wissenschaftliche Arbeiten zur Verfügung. Hofheinz-Döring-Haus, Schulstraße 12, Göppingen 73033, https://hofheinz-doering.de




Mehr Wissen …


Das Gemälde „Ein Waldmärchen“ („Schneeweißchen und Rosenrot“) ist ein schönes Beispiel für die lange, bereits in der Antike beginnende Tradition der Mythen und Märchen, in denen Baum und Wald häufig eine große, vielfältig symbolische Bedeutung haben. Das gilt für die Hälfte der 200 (Volks-)Märchen der Gebrüder Grimm sowie für viele Kunstmärchen, v.a. der Romantik (z.B. Hauff, E.T.A. Hoffmann, Tieck). Dabei zeigt jedes Märchen einen anderen Aspekt des Waldes auf.

Im Märchen findet sich noch eine positive Einstellung des Menschen zur Natur, der Wald hat dort noch eine Seele.

In „Ein Waldmärchen“ macht Margret Hofheinz-Döring wie in ihrem gesamten Werk die Harmonie des Menschen bzw. der Zivilisation mit der Natur, den Bäumen, dem Wald, mit den dortigen Pflanzen und Tieren zu einem zentralen Thema. So werden z.B. in „Harmonie der Geschöpfe“ (1971) (s. Abb.) Pflanzen- und Tierreich vom Menschen beschützt. Zahlreiche Landschaftsbilder zeigen u.a. die Bedeutung der Natur als Rückzugsort des Menschen in einer hektischen Welt. Gleich mehrere Gemälde mit dem Titel „Franziskus“ (u.a. 1981, s. Abb.) verweisen auf das Leben des Hl. Franz von Assisi im Einklang mit der Natur, sein geschwisterliches Verhältnis zur Schöpfung brachte er in seinem berühmten „Sonnengesang“ zum Ausdruck. Umweltschützer sehen in Franziskus daher ein Vorbild, ja den Idealtyp einer beispielhaften Beziehung zwischen Mensch und Natur, er wurde zu einem ihrer Patrone.

Diese Harmonie unterstreicht Margret Hofheinz-Döring auch durch ihre, ein weiteres Merkmal ihrer Kunst, oft bemalten Holzrahmen, so dass viele ihrer Bilder, wie auch das ausgestellte „Waldmärchen“, auf dem Rahmen, wie sie es selbst ausdrückte, “weiterwuchsen”; „eigentlich“, so die Künstlerin, „könnte man sie sich weiterdenken in die Umwelt, mit der sie einen Zusammenklang finden sollen.”

Im hier gezeigten Gemälde „Ein Waldmärchen“ veranschaulicht das Grimm'sche Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“ die vergangene Harmonie zwischen Mensch und Natur/Wald sowie den dortigen Tieren, den anschließenden gegenwärtigen Kampf des Menschen gegen die Natur und am Ende die Verheißung eines neuen „Paradieses“:

Beide Schwestern, benannt nach zwei Rosenbäumchen, im Bild repräsentiert durch Rosenrot, leben in inniger Verbundenheit mit der Natur:

„Oft liefen sie im Walde allein umher und sammelten rote Beeren, aber kein Tier tat ihnen etwas zuleid, sondern sie kamen vertraulich herbei: das Häschen fraß aus ihren Händen, das Reh graste an ihrer Seite, der Hirsch sprang lustig vorbei, und die Vögel blieben auf den Ästen sitzen und sangen. … wenn sie sich im Walde verspätet hatten und die Nacht sie überfiel, so legten sie sich nebeneinander auf das Moos des Waldbodens und schliefen, bis der Morgen kam, und die Mutter ... hatte ihretwegen keine Sorge.“

Dies verweist auf den Menschen, der in Geborgenheit und Harmonie mit der Natur, dem Wald, den für diesen typischen Tieren (auf dem Bild: Hirsch, Vögel sowie als Symbol der Weisheit der Waldkauz) lebt(e).

Im weiteren Verlauf des Märchens spiegelt der böse Zwerg den die Natur gierig und undankbar ausbeutenden und so zerstörenden Menschen wider, den heutigen Zivilisationsmenschen, er wird später zur Strafe getötet. Der mit den Schwestern verbundene Bär dagegen steht für den weisen naturverbundenen Menschen, er wird zum Schluss durch seine Rückverwandlung in einen Prinzen

genauso wie die beiden Schwestern belohnt.

Am Ende kommt es zu einem neuen „goldenen Zeitalter“: Schneeweißchen wird mit dem naturverbundenen Prinzen verheiratet und Rosenrot mit dessen Bruder. Auch dies ist ein typisches Märchensymbol: Der Mensch wird sich von seiner Gier befreien und mit der Natur „vermählen“.

Kuratierung des Ausstellungsbeitrages (Konzept, Texte, Multimedia, Begleitprogramm):

Tamara Eisenhut M.A. (Freie Kulturvermittlerin und -managerin)





Das Märchen hören …

Schneeweißchen und Rosenroth - Gebrüder Grimm
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