Exponat 069 – Carl-Orff-Stiftung, München

Xylophon 

Klangstäbe aus Palisander, Kasten aus Kiefer. 

Klicke für Infos:

Exponatbeschreibung 069: Xylophon


Ist es nicht seltsam, dass Holz Töne macht?

Wenn Holz in Schwingungen versetzt wird, breiten sich darin Schallwellen aus und es entsteht Klang. Für Xylophone werden Holzstäbe geschnitten. Abhängig von deren Länge, Dicke und Dichte erklingen unterschiedliche Töne: Je kürzer ein Stab ist, desto höher ist der Ton. Wird in der Mitte Holz entfernt, wird der Ton tiefer. So können die Stäbe gestimmt werden. Der Holzkasten darunter dient als Verstärker: Durch die im Kasten eingeschlossene Luft klingen die angeschlagenen Töne lauter.

Der Komponist Carl Orff (1895–1982) entdeckte afrikanische Xylophone in den 1920er Jahren. Zusammen mit einem Instrumentenbauer entwickelte er sie nach seinen Klangvorstellungen weiter. Heute werden „Orff-Xylophone“ beispielsweise von der Münchner Firma Studio 49 gebaut. Für die Klangstäbe wird Palisander verwendet, die Kästen sind aus Kiefer.




Holziges Umweltstatement


Der Komponist Carl Orff (1895–1982) war der bayerischen Landschaft von Kindesbein an eng verbunden. Im Alter von 60 Jahren zog er von München aufs Land nach Dießen am Ammersee. Dort hatte er ein großes Grundstück mit Wiesen und einem Waldanteil gekauft. Der Blick über den Ammersee und auf das Alpenpanorama waren ihm ebenso wichtig, wie die Nähe zur Natur. In Dießen konnte er sich zurückziehen und Ruhe zum Komponieren finden.

Heute steht ein Teil des Grundstücks unter Naturschutz, denn dort wachsen seltene Pflanzen. Die Verpflichtung der naturnahen Lage ist auch der Carl-Orff-Stiftung bewusst, der das Grundstück heute gehört. Die Öffnung des Hauses durch ein neues Museum für Carl Orff verbindet sie deshalb mit Maßnahmen zur Aufwertung der Artenvielfalt auf dem Grundstück.




Über uns


Die Carl-Orff-Stiftung wurde vom Komponisten Carl Orff (1895–1982) testamentarisch verfügt. Sie ist eine gemeinnützige öffentliche Stiftung bürgerlichen Rechts und hat ihren Sitz in Dießen am Ammersee, wo Carl Orff von 1955 bis zu seinem Tode lebte. Sein Wohnhaus und sein »Arbeitshaus«, in dem sich sein Arbeitszimmer befindet, sind dort im Originalzustand erhalten geblieben.

Die Stiftung hat den Auftrag, den künstlerischen und pädagogischen Nachlass von Carl Orff zu erhalten, sein geistiges wie künstlerisches Erbe zu bewahren und zu verbreiten. Diesen Zweck verwirklicht sie, indem sie die Originalstücke des Nachlasses in ihrem Bestand sichert und die Forschung zu den Kompositionen Carl Orffs fördert. Außerdem fördert und unterstützt sie die Verbreitung und das Verständnis seines Werks in der Öffentlichkeit.

Die Carl-Orff-Stiftung wurde am 17. Mai 1984 errichtet.

Carl-Orff-Stiftung, Ziegelstadel 1, 86911 Dießen am Ammersee, www.orff.de

Zum Youtube-Kanal der Carl-Orff-Stiftung.




Mehr Wissen


Der Komponist Carl Orff (1895–1982) ist heute vor allem für den Welthit „Carmina Burana“ und das „Orff-Schulwerk für Kinder“ zur musikalischen Früherziehung bekannt. Seine Musik ist stark vom Rhythmus geprägt. Der Zusammenhang von Musik, Sprache und Bewegung beschäftigte ihn sein Leben lang und war sowohl für das Schulwerk als auch für seine Kompositionen prägend.

In den 1920er Jahren arbeitete Carl Orff als Musiklehrer an der Günther-Schule, die junge Frauen tänzerisch und musikalisch ausbildete. In dieser Zeit suchte er nach Instrumenten, die gut geeignet waren, um die Schülerinnen beim Tanz zu begleiten. Wichtig war ihm besonders das Wechselspiel von Rhythmus und Bewegung. So kamen zunächst Trommeln, Schellenbänder und Tamburine zum Einsatz, die von den Tänzerinnen selbst gespielt werden konnten. Orff ließ die Schülerinnen improvisieren und verschiedene Rhythmen gegeneinander laufen. Dennoch fehlten Melodieinstrumente und die Möglichkeit mit Klang zu arbeiten. Der Berliner Musikwissenschaftler Curt Sachs (1881–1959) verwies auf Flöten, die ebenfalls von den Tänzerinnen selbst gespielt werden könnten. Interessanter erschienen Orff jedoch afrikanische Xylophone. Da auch Schülerinnen und sein Bekanntenkreis von der Suche nach Melodieinstrumenten wussten, erhielt er im Winter 1926 ein Paket mit einer afrikanischen Marimba. Diese besteht aus Klangstäben, die mit einem Holzgestell verschnürt waren und unter denen Kalebassen (Gefäße aus getrocknetem Kürbis) zur Verstärkung der Resonanz hängen.

„Mit einem Schlag hatte ich das gefunden, was ich für den weiteren Ausbau meiner pädagogischen Pläne und des Tanzorchesters brauchte, ein Instrument, mit dem ich die teilweise noch fehlenden Klangböden und -flächen, sowie Melodien und Ostinati jeder Art bilden und bauen konnte.“

(Carl Orff und sein Werk. Dokumentation. Band III. Schulwerk. Elementare Musik. Tutzing 1976. S. 89)

Carl Orff und seine Mitarbeiterin Gunild Keetman (1904–1990) begannen sofort, mit dem Instrument zu experimentieren. Allerdings stellte sich heraus, dass das afrikanische Instrument nicht den Klangvorstellungen des europäischen Tonraums entsprachen. Eine Lösung für dieses Problem fand sich erst, als Orff ein weiteres Instrument zugeschickt bekam, bei dem die Stäbe auf einem Holzkasten auflagen. Mit diesem Instrument im Gepäck nahm Carl Orff Kontakt zum Münchner Cembalobauer Karl Maendler (1872–1958) auf. Gemeinsam entwickelten sie Instrumente, auf denen auch europäische Tonleitern gespielt werden können.

Diese fanden nicht nur in der Günther-Schule Verwendung. In den 1950er Jahren setzte Orff sie bei der Entwicklung des musikpädagogischen Schulwerks ein. Aber auch in seinen Kompositionen sind Xylophone wichtig. Während er sich immer stärker vom typischen Streicher-Orchester der Romantik entfernt, setzt er Xylophone und Klaviere ein, um Klangräume zu erzeugen.





Bumfallara
00:00 / 00:13
Bumfallara - erste Stimme
00:00 / 00:19
Bumfallara - zweite Stimme
00:00 / 00:19
Bumfallara - zweistimmig
00:00 / 00:18
Wie gefallen Dir Exponat und Vermittlung? Hast Du Fragen oder Anregungen?