Exponat 009–015 – Naturkundemuseum Ostbayern, Regensburg

Der Baum im Lauf der Erdgeschichte

Was ist ein Baum, was ist Holz?

Klicke für Infos:

Holziges Umweltstatement


Der Beitrag des Naturkundemuseums Ostbayern zur Austellung “Holz macht Sachen” stellt die Entwicklung von baumförmigen Holzgewächsen im Lauf der Erdgeschichte dar. Dadurch wird nicht nur die Bedeutung derselben für uns Menschen, sondern für den gesamten Planeten verdeutlicht.

Seit Jahrmillionen, lange vor dem Erscheinen der Menschen, spielen Bäume eine besondere Rolle in unseren globalen Ökosystemen. Bäume produzieren Sauerstoff, beeinflussen das Klima, filtern Schadstoffe aus Luft und Boden, bieten unzähligen Lebewesen einen Lebensraum… Nun drohen unsere Wälder durch den Einfluss des Menschen nachhaltig Schaden zu nehmen.

Wir müssen Verantwortung übernehmen und unsere Bäume und Wälder durch nachhaltiges Handeln für die Zukunft unseres Planeten erhalten!




Über uns


Das Naturkundemuseum Ostbayern ist mit seinen Sammlungen und Ausstellungen im ehemaligen Herzogspalais unweit der Donau untergebracht. Hinter den Leitmotiven „Entwicklung des Lebens“ sowie „Lebensräume Ostbayerns in Vergangenheit und Gegenwart“ verbergen sich Ausstellungen, die durch mediale, erlebnisorientierte und spielerische Elemente unterstützt und erweitert werden. Ein umfangreiches pädagogisches Angebot, verschiedene Aktionen und wechselnde Sonderausstellungen runden das Besuchserlebnis ebenso ab wie zahlreiche Lesungen, Konzerte und gelegentliche künstlerische Angebote. Dem Museum ist außerdem ein mit dem Qualitätssiegel „Umweltbildung.Bayern“ ausgezeichnetes Umweltzentrum angegliedert.

Adresse: Naturkundemuseum Ostbayern, 93047 Regensburg, Am Prebrunntor 4, www.nmo-regensburg.de




Mehr Wissen …


Der Baum im Lauf der Erdgeschichte

– Was ist ein Baum, was ist Holz? –

Baumförmige Pflanzen wurden im Lauf der Erdgeschichte von vielen verschiedenen Pflanzengruppen gebildet, beispielsweise von Bärlappgewächsen (Lycopodiopsida), Farnen (Polypodiopsida), Nacktsamern (Gymnospermae) – darunter Palmfarne, Ginkgogewächse und Nadelholzgewächse – sowie von Bedecktsamern (Magnoliopsida, oft auch Blütenpflanzen genannt).

Die ersten Landpflanzen waren noch sehr kleine, bodennahe Gebilde, die sich vor fast 450 Millionen Jahren entwickelten. Erst im Mittel-Devon, vor etwa 380 Millionen Jahren, entstanden die ersten größeren aufgerichteten Stämme. Diese entwickelten sich so rasch, dass nur wenige Millionen Jahre später, im Ober-Devon, bereits erste Wälder, also ausgedehnte Flächen mit einer größeren Anzahl von baumförmigen Pflanzen, unseren Planeten bedeckten. Diese bestanden jedoch noch nicht aus Bedecktsamern, sondern aus Bärlappgewächsen, Farnen und verschiedenen Nacktsamern. Ausgiebige Nadelholzwälder existieren dabei auf der Erde schon sehr viel länger als die uns heutzutage vertrauten Laubwälder aus beispielsweise Buchen, Birken oder Eichen. Diese Bäume gehören zu den Bedecktsamern, die sich erst zu Beginn der Kreidezeit, vor etwa 145 Millionen Jahren, entwickelt haben.

Die wiederholte Ausbildung eines aufrechten Stammes bei unterschiedlichen Pflanzengruppen im Lauf der Evolution zeigt, dass es sich um eine sehr erfolgreiche Konstruktion handelt. Denn diese erlaubt es, der Konkurrenz um Platz und Sonnenlicht in Bodennähe zu entgehen. Das verholzte Gewebe wirkt dabei als Stütze und ermöglicht nicht nur ein horizontales Längenwachstum, sondern auch den Transport von Wasser entgegen der Schwerkraft.

Nicht jede baumförmige Pflanze bildet jedoch echtes Holz aus. Dieses wird nur von einer in der Sprossachse befindlichen Wachstumsschicht gebildet, dem sogenannten Kambiumring. Dieser sondert nach innen das sekundäre Xylem ab und ermöglicht so ein sekundäres Dickenwachstem, indem die Sprossachse der Pflanze nach und nach dicker wird. “Echtes Holz” (Holz im engeren Sinn) findet sich unter anderem bei Palmfarnen (Cycadopsida), Ginkgogewächsen (Ginkgoopsida), Nadelbäumen (Coniferopsida) und Bedecktsamern (Magnoliopsida). Bestimmte Pflanzen, innerhalb der Bedecktsamer zum Beispiel die Einkeimblättrigen (Monokyledonen), zu denen beispielsweise die Palmengewächse (Arecaceae) gehören, besitzen kein Kambium und somit auch kein “echtes Holz”. Aus diesem Grund ist bei ihnen kein Dickenwachstum möglich, d. h. der Stammdurchmesser vergrößert sich beim Wachstum nicht. Sie sind ein Beispiel für die sogenannten “verholzten Pflanzen”.

Bei ihnen ist nur in wenigen Bereichen in die Zellen Lignin, ein Biopolymer das für die Verholzung und somit für die Festigkeit verantwortlich ist, eingelagert.

Erst durch das sekundäre Dickenwachstum sind Baumhöhen von bis zu 100 Metern und Lebensalter einzelner Exemplare von über 1.000 Jahren überhaupt möglich.

Heutzutage sind Holzstämme weltweit in den unterschiedlichsten Klima- und Bodenverhältnissen anzutreffen und bilden dort auch ausgedehnte Waldgebiete (z. B. die Regenwälder der Tropen/Subtropen, Savannenwälder, Mangrovenwälder, Auwälder, sommergrüne Wälder der gemäßigten Zonen oder auch die borealen Nadelwälder etc.).




Exponatbeschreibung 014: Baltischer Bernstein in Naturform


Baltischer Bernstein in Naturform


Herkunft: Jantarny (Palmnicken), Oblast Kaliningrad, NW Russland
Datierung: Paläogen: Ober-Eozän, ca. 35 Millionen Jahre alt

Dieses Exponat zeigt die natürliche Form des Baltischen Bernsteins (ungeschliffen und unpoliert). Mögliche Inklusen (Einschlüsse von Pflanzen oder Tieren) sind so nicht erkennbar. Der Begriff Bernstein leitet sich von verschiedensten alten Begriffen für „brennen“ ab, so z. B. von dem Wort „Börnsteen“ (= Brennstein). Es handelt sich dabei um das fossile Baumharz von Nadelbäumen. Es entsteht beispielsweise nach Verletzung der Baumrinde als Verschluss der entstandenen Öffnung und stammt aus den Zellen des Baumes, wie den sogenannten Harzkanälen. Bernstein ist brennbar und verströmt einen charakteristischen, harzigen Geruch, wie er beispielsweise für Nadelwälder typisch ist.




Exponatbeschreibung 009: Fossiler Stamm eines Schuppenbaumes


Fossiler Stamm eines Schuppenbaumes (Lepidodendron aculeatum)
Herkunft: Radnice, Tschechien
Datierung: Ober-Karbon: Pennsylvanium, ca. 310 Millionen Jahre alt

Der Schuppenbaum zählt zu den ausgestorbenen baumförmigen Bärlappgewächsen (Lycopodiopsida). Diese Pflanzen konnten bis zu 40 Meter Höhe erreichen. Ihre Blätter sind klein, nadelförmig, nur wenige Millimeter lang und spiralig angeordnet. Heutige Vertreter der Bärlappgewächse sind nur noch maximal wenige Dezimeter groß und eher krautförmig. Zur Zeit des Ober-Karbons dominierten die baumförmigen Bärlappgewächse die weiträumigen sumpfigen Tropenwälder der Nordhalbkugel, aus denen im Laufe der Erdgeschichte schließlich die ausgedehnten Steinkohlevorkommen entstanden sind. Diese dienen uns heute als fossiler Brennstoff. Den Namen Schuppenbaum erhielten die Stämme aufgrund ihrer rautenförmigen Blattnarben, welche an die Schuppen von Fischen erinnern.




Exponatbeschreibung 011: Fossile Ginkgoblätter


Fossile Ginkgoblätter (Ginkgoites huttonii)
Herkunft: Scalby Ness bei Scarborough, North Yorkshire, Großbritannien
Datierung: Mittel-Jura: Bathonium, ca. 167 Millionen Jahre alt Ginkgo-Fossilien existieren auf der Erde seit etwa 280 Millionen Jahren. Bis vor etwa 30 Millionen Jahren waren sie noch überall auf der Welt zu finden. Heute sind sie nur noch in China heimisch. Der Ginkgo ist ein sehr besonderer Baum. Er gehört weder zu den Nadelbäumen noch zu den Laubbäumen, auch wenn er wie die Nadelbäume zu den Nacktsamern gehört. Er ist heutzutage der einzige Vertreter der sogenannten Ginkgoales. Eine weitere Besonderheit liegt darin, dass diese Bäume getrenntgeschlechtlich sind, d. h. es gibt rein männliche und rein weibliche Bäume. Eine Bestäubung findet über den Wind statt. Weibliche Bäume sind gut daran zu erkennen, dass sie im Herbst mirabellenähnliche Früchte ausbilden, die einen ziemlichen Gestank absondern.




Exponatbeschreibung 013: Fossiler Zweig eines Koniferengewächses


Fossiler Zweig eines Koniferengewächses (Athrotaxites lycopodioides)
Herkunft: Painten, Bayern, Deutschland
Datierung: Ober-Jura, Ober-Kimmeridgium, ca. 152 Millionen Jahre alt Dieser kleine Zweig einer fossilen Konifere (ein Nadelgehölz) stammt aus der bekannten Plattenkalklagerstätte Painten in Bayern. Die Koniferen gehören zu den sogenannten Nacktsamern, das bedeutet, ihre Samenanlagen werden nicht durch Fruchtblätter geschützt. Sie kommen nahezu weltweit vor, heute vor allem auf der Nordhalbkugel. Das Exponat zeigt deutlich erkennbar, dass die Zweige nicht mit Nadeln, sondern mit schuppenförmigen Blättern versehen sind (ähnlich heutigen Zypressen).




Exponatbeschreibung 010: Verkieseltes Holz


Verkieseltes Holz (Dadoxylon)
Herkunft: Neustadt/Kulm, Bayern, Deutschland
Datierung: Ober-Trias: Norium (Mittlerer Keuper), ca. 218 Millionen Jahre alt

Das hier ausgestellte Exponat aus der Oberpfalz gehört zu den sogenannten baumförmigen Samenpflanzen (Cordaitales) und ist nah mit den Koniferen verwandt. Das Holz wurde bei diesem Stück nach und nach durch Kieselsäure (SiO2) ersetzt, wobei selbst feinste Strukturen, wie z. B. die Jahresringe, nachgebildet wurden. Das Klima war zur Zeit der Entstehung des verkieselten Holzes relativ warm und meist trocken.




Exponatbeschreibung 012: Fossile palmartige Fiederblätter


Fossile palmartige Fiederblätter (Zamites feneonis)
Herkunft: Brunn, Bayern, Deutschland
Datierung: Ober-Jura: Kimmeridgium, ca. 153 Millionen Jahre alt Diese fossilen palmartig aussehenden Fiederblätter stammen aus der Fossillagerstätte Brunn, die zu den berühmten bayerischen Plattenkalkfundstellen gehört. Es handelt sich bei Zamites um eine gegen Ende der Kreidezeit ausgestorbene Samenpflanzen-Gattung der sogenannten Benettiteen. Wie deutlich zu sehen ist, zweigen von der Mittelachse wechselständig schmale, lanzettförmige Fiedern ab. Bei genauerem Hinsehen ist erkennbar, dass diese Fiedern deutlich parallel geädert sind. Die Blätter wuchsen dabei büschelartig an den Spitzen von Palmstämmen. Das Exponat stellt eine Besonderheit dar, da Landpflanzen-Fossilien in den Plattenkalklagerstätten eher selten sind, denn es handelt sich bei diesen Gesteinen um Ablagerungen eines ehemaligen Meeresbereiches. Dadurch ist anzunehmen, dass eine deutliche Nähe zu einem Landbereich mit starkem Pflanzenbewuchs bestanden hat.




Exponatbeschreibung 015: Fossile Blattabdrücke des Zimtbaumes und eines Buchengewächses


Fossile Blattabdrücke des Zimtbaumes (Daphnogene cinnamomea) und eines Buchengewächses (Eotrigonobalanus furcinervis)
Herkunft: Staré Sedlo, Karlovarský kraj, Tschechien
Datierung: Paläogen: Ober-Eozän, ca. 35 Millionen Jahre alt

Dieses Exponat präsentiert eine Gemeinschaft von Blättern unterschiedlicher Bäume. Einerseits beinhaltet das Gestein den Blattabdruck des sogenannten Zimtbaumes, der zu den Lorbeergewächsen gehört. Dieser ist deutlich an den drei Blattnerven erkennbar. Zum anderen ist auch der Abdruck eines Buchengewächses enthalten, ein schmales, längliches Blatt. Beide Gewächse gehören zu den Bedecktsamern (Magnoliopsida). Diese fossile Pflanzengemeinschaft zeigt Merkmale sogenannter immergrüner Regenwälder in subtropischen Gebieten. Sie entstanden in einer damaligen Seen- und Flusslandschaft. Dies ist auch am Gestein erkennbar, in dem die Blattabdrücke erhalten sind – ein quarzitischer Sandstein.





Wie gefallen Dir Exponat und Vermittlung? Hast Du Fragen oder Anregungen?